Die Substanz erkennen, bevor Sie handeln
Zwei Arten von Paste, zwei Diagnosen
Eine cremige, weißliche oder milchkaffeefarbene Substanz unter dem Öldeckel. Dieses sichtbare Signal verbirgt zwei völlig verschiedene mechanische Realitäten, mit Folgen von der harmlosen Fehlmeldung bis zum zerstörten Motor.
Die „Mayonnaise": eine weiße oder gelbliche Emulsion. Wasser ist in den Schmierkreislauf eingedrungen. Die von Natur aus amphiphilen Additive des Öls stabilisieren dieses Gemisch ungewollt und machen das Öl trüb und dickflüssig.
Der schwarze Schlamm (Black Sludge): eine dunkle, teerartige Paste. Das Öl selbst hat eine innere chemische Zersetzung durch Oxidation, Nitrierung und Sulfatierung der Kohlenwasserstoffe erlitten.
Harmloses Kondenswasser oder Dichtungsbruch
Was die Mayonnaise verursacht
Zwei Ursprünge, zwei Alarmstufen.
Harmloses Kondenswasser: Fahrten unter 15 km erwärmen das Öl nie ausreichend. Die Luftfeuchtigkeit kondensiert unter der Ventildeckelhaube und findet sich ausschließlich unter dem Einfülldeckel. Der Ölmessstab bleibt normal. Dieses Phänomen verschärft sich im Winter und betrifft Benzinmotoren häufiger.
Kritischer Dichtungsbruch: Die Zylinderkopfdichtung ist durchgebrannt, der Zylinderkopf gerissen oder der Öl-Wasser-Wärmetauscher hat nachgegeben. Das Kühlmittel dringt in das Öl ein. Der Messstab selbst zeigt eine dicke, gräuliche, gleichmäßig emulgierte Flüssigkeit.
Vier Prüfungen unter der Haube
Der 30-Sekunden-Test: Fehlalarm oder Notfall
Bevor Sie einen Mechaniker rufen, erlaubt dieses einfache Vorgehen, harmloses Kondenswasser von einem schweren inneren Leck zu unterscheiden.
Öffnen Sie den Öldeckel: gelbliche Paste nur an der Oberfläche vorhanden? Das ist oft Kondenswasser.
Ziehen Sie den Ölmessstab: ist das Öl am Stab dünnflüssig, dunkel und normal, ist der Kurbeltrieb intakt.
Prüfen Sie den Ausgleichsbehälter: ein Kühlmittelstand, der jede Woche ohne sichtbares Leck sinkt, bestätigt einen inneren Bruch.
Beobachten Sie den Auspuff: dichter, anhaltender weißer Rauch, selbst bei warmem Motor, deutet auf Wassereintritt in die Zylinder hin.
Erscheint die Paste am Messstab und sinkt der Wasserstand, versuchen Sie den Motor nicht mehr zu starten und lassen Sie abschleppen.
Drei Faktoren, die das Öl von innen zersetzen
Der schwarze Schlamm: stille Anhäufung
Der schwarze Schlamm bildet sich allmählich, ohne offensichtliches Warnsignal. Drei Faktoren tragen dazu bei:
Zu weit gestreckte Ölwechsel: Das Öl polymerisiert, seine Additive erschöpfen sich.
Lesen: der Viskositätsfehler, der 2.000 Euro kostet
Zu kurze Fahrten: Die schädlichen Verbrennungsdämpfe (Blow-by) werden nie richtig abgeführt.
Diesel-/Partikelfilter-Verdünnung: Bei Motorisierungen mit Partikelfilter rinnen die Nacheinspritzungen von Diesel in die Ölwanne und beschleunigen die Eindickung des Öls.
Pumpe, Lagerschalen, Turbo, Kolbenringe
Vier reale Risiken für den Motor
Ein pastöses Öl schmiert nicht mehr. Die Folgen kommen schnell und können unumkehrbar sein.
Das Saugsieb der Ölpumpe verstopft. Der Druck fällt.
Öldruckleuchte: die 3 Situationen des Totalschadens
Die Pleuellagerschalen laufen trocken. Das „durchgebrannte Pleuel" zerstört den Block unwiderruflich.
Der Turbo frisst sich sofort fest, wenn ein Schlammklumpen die 1 bis 2 mm dünnen Ölzuleitungskanäle verstopft.
Die Kolbenringe klemmen, die Kompression fällt, Zündaussetzer häufen sich. Die VVT-Magnetventile setzen sich fest, das Steuergerät geht in den Notlaufmodus.
Drei Eingriffsstufen
Was eine Werkstatt je nach Diagnose tut
Die Behandlung hängt vollständig von der festgestellten Ursache ab.
Harmloses Kondenswasser: Ölwechsel + einige lange Fahrten, um das Öl wieder auf Temperatur zu bringen. Kein Teiletausch nötig.
Schwarzer Schlamm: chemische Spülung (Typ Liqui-Moly Flush) 200 km vor dem Ölwechsel, dann Austausch des Ölfilters. In schweren Fällen Abnahme der Ölwanne, um das Saugsieb von Hand zu reinigen.
Zylinderkopfdichtung oder Wärmetauscher defekt: absoluter mechanischer Notfall. Austausch des defekten Teils, komplette Spülung beider Kreisläufe (Öl und Kühlung), Kontrolle der Planheit des Zylinderkopfs.
Der CO2-Test am Ausgleichsbehälter (40 bis 80 Euro in der Werkstatt) bestätigt in 10 Minuten, ob eine Zylinderkopfdichtung undicht ist, ohne den Motor zu zerlegen.
Siehe auch: die Motorengeräusche, die der Panne vorausgehen

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