Analyse
Zuverlässig, aber verhasst
Der 1.5-CDI-Motor der Mercedes A-Klasse W176 kann die 300.000 Kilometer ohne größeren Schaden überschreiten. Doch in den Foren und bei den Händlern ist es genau der, von dessen Kauf man Ihnen abrät.
Herkunft
Ein Renault-Motor unter dem Mercedes-Stern
Der Block 1.5 CDI mit der Bezeichnung OM607 verbirgt eine industrielle Wahrheit: Es handelt sich um den berühmten Renault-Motor 1.5 dCi, der in mehr als 10 Millionen Exemplaren produziert wurde. Mercedes übernahm ihn 2012 für seine Kompaktmodelle A 160 CDI und A 180 CDI.
Diese Partnerschaft mit Renault-Nissan zielte darauf ab, die Kosten bei den kleinen Hubräumen zu senken. Für Puristen bedeutet der Kauf eines Mercedes mit einem französischen Motor Verrat an der DNA der Marke.
Leistung
Sparsam, aber untermotorisiert
Der A 180 CDI verbraucht im realen Betrieb zwischen 4,3 und 4,7 Litern auf 100 km. Sein Drehmoment von 260 Nm bleibt im niedrigen Drehzahlbereich ordentlich. Doch auf der Landstraße tut sich dieser Diesel mit 109 PS schwer gegen das steife Fahrwerk der W176.
Die Zwischenspurts am Berg zwingen zum ständigen Zurückschalten. Dieses Gefühl eines „gedrosselten Autos“ enttäuscht jene, die ein Mindestmaß an Leistungsreserve erwarten.
Budget
Die Falle der Wartungskosten
Genau hier bricht die wirtschaftliche Rechnung zusammen. Die Renault-Teile sind günstiger, doch das Mercedes-Netz verlangt seine Premiumtarife. Ein Ölwechsel kostet in der Vertragswerkstatt zwischen 250 € und 450 €.
Der Wechsel des Zahnriemens, alle 120.000 km oder 5 Jahre vorgeschrieben, klettert auf 700 € bis 900 €. Die Injektoren, empfindlich gegenüber Kraftstoffen minderer Qualität, können bis zu 350 € pro Stück kosten. Einen Großserienmotor zum Mercedes-Preis warten zu lassen, mindert den ganzen Reiz dieses sparsamen Diesels.
Zuverlässigkeit
Die wiederkehrenden Pannen des 1.5 dCi
Das AGR-Ventil verschmutzt im Stadtbetrieb rasch und verursacht Leistungsverlust sowie Notlaufprogramme. Die Reinigung kostet zwischen 150 € und 400 €.
Der Partikelfilter setzt sich zu, wenn die Fahrten zu kurz bleiben. Ohne Regeneration bei stabilisierter Geschwindigkeit kann sein Austausch 1.500 € erreichen. Der Turbolader, geschwächt durch vernachlässigte Ölwechsel, pfeift, bevor er aufgibt. Rechnen Sie mit 1.200 € bis 2.000 € für den Wechsel.
Die freilaufende Lichtmaschine und ihre Riemenscheibe zählen zu den wiederkehrenden Ausfällen. Das Zweimassenschwungrad verschleißt vorzeitig und beeinträchtigt die Geschmeidigkeit der Kupplung.
Getriebe
Das 7G-DCT-Getriebe: die gemeinsame Schwachstelle
Unabhängig vom Motor bereitet das Automatikgetriebe 7G-DCT Probleme. Die Rucke zwischen dem 1. und dem 2. Gang in der Stadt sind häufig. Die Mechatronik kann ausfallen und die Gangwechsel blockieren.
Mercedes empfiehlt inzwischen einen Ölwechsel alle 60.000 km. Der Vorgang kostet zwischen 300 € und 600 €. Ohne Wartungsnachweis meiden Sie das Inserat besser.
Markt
Warum dieser zuverlässige Motor verschmäht bleibt
Der 1.5 CDI ist mechanisch robust. Manche Exemplare überschreiten 300.000 km ohne größere Reparatur. Doch das Etikett „Renault-Motor“ wiegt auf dem Gebrauchtwagenmarkt schwer.
Die Mercedes-Käufer suchen die mechanische „Vornehmheit“. Der A 180 CDI wird günstiger weiterverkauft und bleibt länger im Inserat als ein A 200 CDI. Dieser Wertverlust hebt den Vorteil der Sparsamkeit auf.
Fazit
Das Urteil aus der Praxis
Für einen intensiven Autobahneinsatz mit mehr als 20.000 km pro Jahr bleibt der A 180 CDI brauchbar. Doch er muss außerhalb des offiziellen Netzes gewartet werden, um die Kosten im Griff zu behalten.
Für Fahrfreude und Gelassenheit beim Wiederverkauf drängen sich der A 200d oder A 220d auf. Für den Stadt- oder Mischbetrieb vergessen Sie den Diesel. Die Benziner-Motorisierungen M270 sind zuverlässiger und entgehen den Fahrverboten.
Der zuverlässige Motor, den niemand empfiehlt, trägt seinen Namen zu Recht. Technisch fähig, bleibt er Gefangener eines Markenimages, das keinerlei Kompromiss verzeiht.

Kfz-Experte




