Kontext
Ein Vorstoß 10 Tage nach einem europäischen Kompromiss
Am 6. Juni 2025 fordert der Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA), das Ziel zur Reduzierung der CO2-Emissionen von 100 % auf 90 % zu senken, was nach 2035 einen Anteil von 10 % neuer Benziner oder Diesel erlauben würde. Paukenschlag: Zehn Tage zuvor hatte der Europäische Rat bereits die für 2025 vorgesehenen Strafen gelockert.
Die NGOs prangern einen „Handstreich" an. Julia Poliscanova (Transport & Environment) schlägt Alarm: „Gibt man ihnen den kleinen Finger, nehmen sie die ganze Hand." Laut einer Analyse von T&E würde die Annahme des VDA-Vorschlags die Emissionen im Vergleich zum aktuellen Kurs um 31 % anschwellen lassen.
Debatte
Umstrittene Argumente
E-Fuels und Biokraftstoffe: Der VDA führt an, sie würden den CO2-Fußabdruck verringern. Für T&E eine „teure Scheinlösung", die die Abhängigkeit von fossilen Energien aufrechterhält.
Europäische Wettbewerbsfähigkeit: Mercedes-Benz unterstützt den VDA-Plan und hält Flexibilität für den Schlüssel zur Beschäftigung. Volvo lehnt dagegen jede Infragestellung des Zeitplans 2035 ab.
Politische Spaltung: Bundeskanzler Friedrich Merz und die konservativen Europaabgeordneten stützen den VDA; die SPD bleibt gespalten. „Wir werden die Emissionsgrenzen des Koalitionsvertrags einhalten", versichert Isabel Cademartori.
Marktdaten
Die Fakten zum Anstieg der Elektroauto-Verkäufe
Entgegen der Kritik der Lobby ziehen die Verkäufe von Elektrofahrzeugen wieder an: +26 % in Europa in den ersten vier Monaten 2025, +43 % in Deutschland. Die Zulassungen von Plug-in-Hybriden bleiben stabil und verstärken den Trend zu emissionsarmen Antrieben.
Die Befürworter des Verbrenner-Status-quo verweisen auf das industrielle Ökosystem (Arbeitsplätze, Zulieferer, Entwicklung). Die Anhänger des Zeitplans 2035 erinnern daran, dass ein Aufschieben des Termins das Ziel der Klimaneutralität des europäischen Green Deal für 2050 gefährden würde.
Zeitplan
Nächster Schritt: die Antwort aus Brüssel
Die Europäische Kommission muss bis Ende 2025 ein Hilfspaket für die Automobilbranche vorlegen. Sie weiß sich beobachtet: Dem VDA nachzugeben würde das für 2035 vorgesehene Verbot seiner Substanz berauben. Den aktuellen Kurs beizubehalten würde ein starkes Signal senden, das die Investitionen in die Elektromobilität absichern soll.

Kfz-Experte




