Ein außergewöhnlicher Versuchsprototyp
Nach der Übernahme von Lamborghini im Jahr 1998 wollte Volkswagen seinen 8,0 Liter großen Vierfach-Turbo-W16 vor der Produktion des Veyron validieren. Der Konzern wählte einen überarbeiteten Diablo SV als Versuchskaninchen: Mit seinen zwei Metern Breite konnte der italienische Supersportwagen den 436 kg schweren Block aufnehmen. Der ursprüngliche V12 wurde entfernt, um dem 1.001 PS starken Ungetüm Platz zu machen.
Das Ergebnis gleicht einem Rennwagen am Ende einer Langstreckenprüfung. In das hintere Blech wurden zusätzliche Öffnungen geschnitten, um die Mechanik zu kühlen, und die Klappscheinwerfer verschwanden, aufgegeben beim Facelift von 1999. Dieser einzigartige Diablo verfügt über die doppelte Serienleistung, angetrieben vom ehrgeizigsten Motor, den der deutsche Konzern je entwickelt hat.
Das Erbe von Ferdinand Piëch
Dieses Experiment fügt sich in die kompromisslose Vision von Ferdinand Piëch ein, dem damaligen Chef des Volkswagen-Konzerns. 1997 skizzierte er auf einer Fahrt im Shinkansen zwischen Tokio und Osaka auf einem Umschlag die Idee eines 18-Zylinder-Motors, aus der sich der heutige W16 entwickeln sollte. Das ursprüngliche Konzept, 1999 auf der IAA in Frankfurt mit dem Bugatti 18/3 Chiron präsentiert, umfasste einen 6,2 Liter großen W18-Saugmotor.
Der Vierfach-Turbo-W16 stellt letztlich den „vernünftigen Kompromiss" dar: vier in W-Form angeordnete Zylinderbänke, zwei Achtzylinderblöcke im 90-Grad-Winkel, vier Turbolader. Dieser weltweit einzigartige Motor sollte nicht nur den Veyron antreiben, sondern auch den Chiron und den Roadster Mistral.
Das Ende einer Motorenära
Der W16 verabschiedete sich nach der Auslieferung des letzten Mistral. Auch Bentley beendete 2024 mit dem Batur die Produktion seines W12. Die Nachfolge übernimmt der Bugatti Tourbillon mit seinem V16-Hybrid und markiert damit einen neuen technischen Ansatz.
Ohne diesen einzigartigen Diablo-Versuchsträger hätte der Veyron nie das Licht der Welt erblickt. Dieser vergessene, lange geheim gehaltene Prototyp veranschaulicht eine Zeit, in der technischer Wagemut über wirtschaftlichen Zwängen stand – eine Philosophie, die angesichts der Elektrifizierung der Vergangenheit anzugehören scheint.

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