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AdBlue Diesel: Was passiert, wenn der Tank leer ist

Warnleuchten, Notlauf, Kristallisation: Was passiert, wenn der AdBlue-Tank eines Euro-6-Diesels leer ist, und wie Sie mobil bleiben.

Von Romain Bouchard5 Min. Lesezeit
AdBlue Diesel: Was passiert, wenn der Tank leer ist

Eine wässrige Lösung, unverzichtbar für Euro-6-Diesel

Was AdBlue wirklich ist

AdBlue ist weder ein Kraftstoff noch ein dem Diesel beigemischter Zusatz. Es handelt sich um eine Lösung aus 32,5 %

Harnstoff und 67,5 % demineralisiertem Wasser, gelagert in einem eigenen, an seinem blauen Verschluss

erkennbaren Tank. Die Pumpe dosiert die Einspritzung in den Abgasstrang,

um die SCR-Reaktion auszulösen, die die NOx in Wasserdampf und Stickstoff umwandelt. Ohne diese Neutralisierung

erreicht ein moderner Diesel die Euro 6-Normen nicht.

Die französischen und deutschen Hersteller haben dieses System bei ihren SCR-Aggregaten flächendeckend eingeführt. Man

findet es sowohl in einer Renault Mégane als auch in den 2.0 TDI des Volkswagen-Konzerns.

Warnleuchte an, Notlauf und schließlich Stillstand

Das eigentliche Risiko: ein leerer Tank

Sobald die Reichweite unter 2.400 km fällt, zeigt das Kombiinstrument eine entsprechende Meldung an. Wer

diese Warnung ignoriert, löst einen Notlauf aus: Die Geschwindigkeit wird gedrosselt und die Leistung reduziert,

um die Emissionen zu begrenzen. Ist das Fahrzeug einmal abgestellt, verhindern manche Steuergeräte jeglichen Neustart,

solange der AdBlue-Tank nicht aufgefüllt wurde. Häufig müssen mindestens 5 Liter

nachgefüllt werden, um den SCR-Zyklus wieder in Gang zu setzen.

Werkstätten sehen regelmäßig Berufsfahrer, die auf einem Autobahnrastplatz liegenbleiben, nachdem

sie das Nachfüllen von AdBlue hinausgezögert haben. Ein vermeidbarer Stillstand, der Abschleppdienst,

Hotelnächte und verlorene Arbeitstage kosten kann. Um mobil zu bleiben, führen Sie einen Notfallkanister

im Kofferraum mit und achten darauf, dass er der Norm ISO 22241 entspricht.

Ein Gefrieren bei -11 °C, das das SCR-System zerstört

Kristallisation: die andere stille Panne

Bei -11 °C erstarrt AdBlue und hinterlässt Kristalle, die Pumpe und Injektor verstopfen können. Steht das Auto

mehrere Tage im Freien, setzen sich Ablagerungen an den Leitungen fest und lösen

SCR-Fehler aus. Je nach Schaden erreichen die Reparaturen schnell 500 bis 1.500 €.

Minderwertige Produkte verschärfen das Phänomen. Verunreinigungen und nicht spezifikationsgerechte Zusätze

verwandeln sich im Kreislauf in Schlamm. Zeigt Ihr Diesel bereits Abgas-Warnungen, gleichen Sie

die Diagnosen mit jenen ab, die in unserem Artikel

über die PureTech-Rückrufe erwähnt werden, um zu vermeiden, dass Sensoren unnötig getauscht werden.

Bewährte Praktiken beim Befüllen und Lagern

So vermeiden Sie die Panne

Im Schnitt verbraucht ein Diesel 1,5 Liter AdBlue alle 1.000 km. Mit einem Tank von 15 l

verfügen Sie somit über rund 10.000 km Reichweite. Lassen Sie den Bordcomputer niemals weniger als

800 km Restreichweite anzeigen, bevor Sie eine Nachfüllung einplanen.

  • Bevorzugen Sie ein nach ISO 22241 zertifiziertes AdBlue, erhältlich in Kanistern zu 5 oder 10 l oder an einer eigenen Zapfsäule

    an der Tankstelle.

  • Lagern Sie Ihre Vorräte zwischen 10 und 25 °C, geschützt vor Frost und Sonne, und verbrauchen Sie jeden

    angebrochenen Kanister rasch.

  • Vermeiden Sie jede Kreuzkontamination: Ein Tropfen AdBlue im Diesel erzwingt eine vollständige Entleerung

    des Kraftstoffkreislaufs.

Diese Disziplin reiht sich in die weiteren kritischen Wartungsarbeiten ein, die in unserem

Ratgeber zur Steuerkette ausführlich behandelt werden: Flüssigkeitsmängel

vorauszusehen kostet weit weniger, als einen unerwarteten Stillstand zu bewältigen.

Regelmäßige Überwachung und Vorausplanung

Eine Wachsamkeit, die weniger kostet als eine Panne

AdBlue ist längst keine optionale Ausstattung mehr: Es ist ein Verbrauchsmittel, das ebenso unverzichtbar ist wie das Motoröl oder der

Partikelfilter. Wer die Befüllprozedur einhält und die Warnungen im Kombiinstrument beachtet, erspart sich

teure Reparaturen und wahrt seine Abgaskonformität.

Gewöhnen Sie sich an, AdBlue dann nachzufüllen, wenn Sie einen Ölwechsel oder einen Wechsel des Steuertriebs einplanen: So bündeln Sie

die Wartung und fahren mit der Gewissheit los, dass das SCR-System für die nächsten tausend

Kilometer einwandfrei arbeitet.

Wie viele Kilometer kann man nach dem Aufleuchten der AdBlue-Warnleuchte noch fahren?

Laut Herstellern verbleiben ab der ersten Meldung 2.400 km Reichweite. Ist diese Grenze überschritten, reduziert das Steuergerät die Leistung und blockiert anschließend den Neustart. Es ist ratsam, bereits bei 800 km Restreichweite nachzufüllen, um jeden Stress zu vermeiden.

Was tun, wenn das AdBlue im Tank kristallisiert ist?

Erzwingen Sie niemals den Neustart. Stellen Sie das Auto ins Warme, damit sich die Lösung verflüssigt, und lassen Sie anschließend Pumpe und Leitungen prüfen. Bleiben Fehlercodes bestehen, muss eine Werkstatt den SCR-Kreislauf gegebenenfalls durchspülen.

Darf man im Notfall ohne AdBlue fahren?

Nein. Euro-6-Fahrzeuge sind so ausgelegt, dass sie den Neustart ohne AdBlue verhindern. Umgehungsmodule (Emulatoren) sind illegal und führen zu einer Nachuntersuchung bei der Hauptuntersuchung sowie zur Einziehung der Zulassungsbescheinigung.
Romain Bouchard
Romain Bouchard

Kfz-Experte

Als Gründer von Steuerkette-Zahnriemen.de begutachtet Romain seit über 10 Jahren Motoren. Er analysiert die technischen Mitteilungen der Hersteller, um wiederkehrende Defekte aufzuspüren.

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