Das Ende der PureTech-Ära
Stellantis begräbt den PureTech: der Firefly-Motor kommt ab 2026 in den Peugeot 208 und den Citroën C3 in Europa
In dieser Woche hat Stellantis den schrittweisen Ersatz des 1.2 PureTech durch die Firefly-Familie auf den wichtigsten europäischen Märkten offiziell bestätigt. Eine strategische Kehrtwende unter Führung des neuen Chefs Antonio Filosa, die radikal mit den Entscheidungen seines Vorgängers Carlos Tavares bricht.
Eine sehr schwere Bilanz
Der im Ölbad laufende Zahnriemen, der Ursprung von allem
Der PureTech hat über Jahre hinweg Rückruf um Rückruf angehäuft. Sein Zahnriemen, der dauerhaft im Motoröl läuft, zersetzt sich vorzeitig und gibt Gummipartikel in den Schmierkreislauf ab.
Diese Rückstände verstopfen das Ansaugsieb. Der Öldruck bricht zusammen. In den schwersten Fällen gibt der Motor noch vor 100.000 km den Geist auf.
Zwei massive Rückrufaktionen wurden bereits bei Modellen wie dem Peugeot 208, dem 308, dem 2008 und dem Citroën C3 gestartet, nachdem Abrieb begonnen hatte, die Vakuumpumpe der Bremsanlage zuzusetzen – ein unmittelbares Risiko für die Sicherheit der Fahrer.
Metallische Steuerkette
Der Firefly, ein über die Kilometer erprobter Motor
Der Firefly ist kein neuer Motor. 2016 von Fiat eingeführt und seither in Brasilien in großem Maßstab produziert, hat dieser Aluminiummotor mit metallischer Steuerkette Millionen Kilometer unter weitaus anspruchsvolleren Fahrbedingungen als in Europa zurückgelegt.
Die Kette ersetzt den Nasslauf-Zahnriemen: Sie läuft nicht im Öl, zersetzt sich nicht chemisch und erfordert über die Lebensdauer des Fahrzeugs keinen planmäßigen Austausch.
Stellantis investiert nun, um ihn auf die Euro-7-Norm zu bringen und mit einer 48-V-Hybridisierung auszustatten, mit dem erklärten Ziel einer Vermarktung über 2030 hinaus.
Einführung 2026
Peugeot 208, Citroën C3: die Ersten, die umsteigen
Die Umstellung beginnt bei den absatzstärksten Modellen. Der Peugeot 208 und der Citroën C3 stehen an der Spitze der vorrangigen Modelle, gefolgt vom Peugeot 2008.
Der Peugeot 208 Hybrid 2026 verfügt bereits über das Doppelkupplungsgetriebe e-DCS6 mit integriertem 48-V-Elektromotor und einer angekündigten Verbrauchssenkung von 15 % gegenüber den früheren reinen Verbrennerversionen.
Die Mildhybrid-Variante des Firefly zielt auf eine direkte Integration in die bestehenden Plattformen ab, ohne aufwendigen Umbau der Montagelinien.
Weltweite Standardisierung
Turin und Betim: die italienische Entwicklung übernimmt wieder das Ruder
Das Werk Termoli in Italien sollte zu einer Batterie-Gigafactory umgebaut werden. Es bleibt nun doch das Herzstück der Verbrennerproduktion des Konzerns.
Das brasilianische Werk Betim in Minas Gerais wird seinerseits zur weltweit größten Produktionsstätte der Firefly-Familie. Die in Brasilien gefertigten Komponenten beliefern die europäischen Linien, insbesondere in Polen.
Diese Standardisierung senkt die Produktionskosten, vereinfacht die Schulung der Techniker in den Vertragswerkstätten und verringert die Unterhaltskosten für den Endnutzer.
Ein Ruf, der neu aufgebaut werden muss
Auswirkung auf den Wert von Gebrauchtwagen
Die mit dem neuen Motor ausgestatteten Modelle dürften auf dem Gebrauchtmarkt einen geringeren Wertverlust erleiden. Der Ruf der Zuverlässigkeit wiegt schwer beim Restwert, und der PureTech hatte das Image von Peugeot und Citroën in diesem Punkt ernsthaft beschädigt.
Statt einen Verbrennungsmotor von Grund auf neu zu entwickeln – riskant angesichts der nahenden Verbotsfristen für Verbrennungsmotoren – hat sich Stellantis dafür entschieden, eine bereits amortisierte Technologie zu industrialisieren. Das freigesetzte Kapital wird auf die vollständige Elektrifizierung und die Fahrzeugsoftware umgelenkt.

Kfz-Experte


