Aktualisierung vom 3. September 2026
Kein Sandero SCe 65 läuft mehr vom Band
Eine Ära der Mini-Preise geht zu Ende. Dacia hat das Produktionsende des SCe 65 bestätigt, des kleinen Benziners, der den Basispreis des Sandero getragen hat. Die unmittelbare Folge: Die Einstiegsversion des in Europa meistverkauften Privatkundenautos wird in den kommenden Wochen 700 Euro teurer.
„Seine Produktion ist gerade ausgelaufen, wir haben nur noch Lagerfahrzeuge zu verkaufen“, erklärt Frank Marotte, Marketing-, Vertriebs- und Operations-Direktor von Dacia. Mit anderen Worten: Was beim Händler steht, ist alles, was es noch gibt.
Die Abgasnorm wiegt schwerer als der Preis
Euro 7 hat den günstigsten Motor erledigt
Der Dreizylinder-Saugmotor mit 65 PS zahlt den Preis der neuen Abgasnormen. „Wir haben nicht investiert, um diesen Motor an die neue Euro-7-Norm anzupassen“, so der Manager weiter. Ein Einstiegsmotor bringt nur eine minimale Marge: Geld in die Abgasreinigung zu stecken, um ihn zu erhalten, ergab wirtschaftlich keinen Sinn.
Dieses Aggregat gehört zur atmosphärischen 1.0-Familie von Renault, der des SCe 75 (B4D): einfach, ohne Turbo, sparsam, gebaut für die Stadt und kleine Budgets. Er verschwindet ersatzlos aus dem Programm, einen Nachfolger mit gleicher Leistung gibt es nicht.
Der TCe 100 wird zum Einstieg
Der neue Einstiegspreis: 13 990 Euro
In Kürze wird der TCe 100, ein Dreizylinder-Turbo mit 100 PS, den Einstieg in die Baureihe bilden. In Frankreich kostet der Sandero in der Ausstattung Essential dann 13 990 Euro statt zuletzt 13 290 Euro: 700 Euro mehr für 35 PS mehr. Die deutschen Preislisten folgen ihrem eigenen Rhythmus, die Verschiebung im Motorenangebot gilt jedoch europaweit.
Das Modell, technisch ein Vetter des Renault Clio, bleibt der letzte Neuwagen des Marktes unterhalb von 15 000 Euro, Sonderaktionen ausgenommen. Beim Marktstart 2020 begann er noch unter 10 000 Euro: Der Einstieg in den Neuwagenmarkt ist in sechs Jahren um 40 % teurer geworden.
Der Wartungspunkt, den man kennen sollte
Steuerkette oder Zahnriemen: Was der Wechsel zum TCe 100 ändert
Gute Nachricht für den Käufer: Der Motorwechsel bringt keinen Zahnriemen mit sich, der alle 5 bis 6 Jahre erneuert werden müsste. Der 1.0 TCe 100 (H4Dt / H5Dt) arbeitet mit einer DOHC-Steuerkette aus Metall, dauerhaft vom Motoröl geschmiert und ohne kilometerabhängiges Wechselintervall. Auch der auslaufende SCe 65 war ein Kettenmotor: In diesem Punkt verliert der Käufer nichts.
Der Unterschied liegt woanders: Der TCe 100 ist aufgeladen, und sein Kettenspanner arbeitet hydraulisch, also mit dem Druck und der Sauberkeit des Öls. Ein eingehaltener Ölwechsel im Herstellerintervall, mit der richtigen Viskosität, entscheidet darüber, ob die Kette 200 000 km hält oder ein Steuerkettensatz für bis zu 2 700 Euro in der Vertragswerkstatt fällig wird. Ein dumpfes Rasseln beim Kaltstart ist das erste Signal, das man nicht überhören sollte.
Wer die verfügbaren Motorisierungen des Modells vergleichen will, findet im Steuerkette-Datenblatt zum Sandero Stepway im Detail, welche Aggregate eine Kette und welche einen Riemen haben — samt der jeweiligen Schwachstellen.
Die rote Linie der Marke
Keine Rabatte, keine Ausnahmen
Dacia lehnt Preisnachlässe kategorisch ab. Katrin Adt, Geschäftsführerin der Marke, begründet diese rote Linie mit dem Schutz des Restwerts der Modelle, einem Kriterium, das der Kundschaft wichtig ist. Eine Methode im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern, die einen hohen Listenpreis ausweisen, um ihn bei der Unterschrift wieder abzuschmelzen.
„Wir haben unsere Preise seit vielen Monaten nicht erhöht“, beruhigt Frank Marotte. Ein bestimmter Ton, aber kein Versprechen für die Zukunft.
Erst Hybrid, dann elektrisch
Dacia schließt das Kapitel des kleinen Verbrenners
Der Manager räumt eine Verschiebung bei den Käufern ein: Kunden mit knappem Budget, markentreu und lange am selben Auto festhaltend, weichen mangels bezahlbarer Neuwagen wieder auf den Gebrauchtmarkt aus. Die Marke setzt auf den Hybrid, mit dem Hybrid-G 150, der in Duster und Bigster debütiert, und danach auf einen künftigen elektrischen Sandero, um gegen die chinesischen Neueinsteiger eine neue Kundschaft zu gewinnen.
Autogas bleibt die zweite Säule dieser Strategie der niedrigen Nutzungskosten: Dacia nennt bis zu 1 500 km Reichweite mit seiner Hybrid-Autogas-Kombination, auf einer technischen Basis nahe am TCe 100.
„Die Zukunft führt über die Elektrifizierung“, stellt Katrin Adt klar. Das Versprechen: „10 % unter den Preisen der Wettbewerber“ zu bleiben.
Zwei Kaufstrategien
Unser Fazit vor der Preiserhöhung
Reizt Sie ein Modell zum Basispreis? Es gibt zwei Wege: die letzten Sandero SCe 65 aus dem Bestand sichern, oder zum TCe 100 greifen, der mit 35 PS mehr spritziger ist und auf Landstraße und Autobahn besser dasteht.
„Im reinen Stadtbetrieb bleibt der SCe 65 aus dem Bestand der rationalere Kauf: günstiger, ohne Turbo, also mit einem Bauteil weniger im Auge zu behalten. Sobald regelmäßig über Land oder beladen gefahren wird, zahlt sich der Aufpreis für den TCe 100 in Fahrbarkeit und Durchzug aus. In beiden Fällen ist die Steuerung eine Kette: Über die Lebensdauer des Motors entscheidet die Disziplin beim Ölwechsel, nicht ein Riemenintervall.“
Bei knappem Budget zählt jeder Tag: Der Bestand schmilzt, und mit ihm der niedrige Preis.

Kfz-Experte



