Der CO₂-Preis wird jetzt versteigert
Was sich am Zapfhahn 2026 wirklich ändert
Wer diese Woche tankt, zahlt drauf, ohne es auf der Anzeige zu erkennen. Seit dem 1. Januar 2026 wird der CO₂-Preis nicht mehr staatlich festgelegt: Er entsteht durch die Versteigerung von Emissionszertifikaten, die Händler und Raffinerien für jede in Verkehr gebrachte Tonne Kohlendioxid erwerben müssen.
Der Preiskorridor liegt zwischen 55 und 65 Euro je Tonne. Zum Vergleich: 2025 waren es feste 55 Euro. Das Ergebnis an der Tankstelle: Benzin kann um bis zu knapp 3 Cent je Liter teurer werden, Diesel um mehr als 3 Cent — zusätzlich zu dem, was Sie 2025 schon bezahlt haben.
Der Aufschlag pro Liter, Jahr für Jahr
Wie viel Sie am Ende wirklich zahlen
Bei einem angenommenen Mittelwert von 60 Euro je Tonne kostet Benzin 2026 rund 17 Cent pro Liter mehr, als es ohne die Abgabe der Fall wäre. Bei Diesel sind es etwa 19 Cent, weil ein Liter Dieselkraftstoff mehr CO₂ freisetzt als ein Liter Benzin.
Wichtig für die Einordnung: Diese Zahl bezieht sich auf das Basisjahr 2020, nicht auf den Vortag. Der reale Unterschied zu 2025 fällt also deutlich kleiner aus als die Gesamtsumme vermuten lässt.
| Jahr | CO₂-Preis je Tonne | Aufschlag Benzin je Liter | Aufschlag Diesel je Liter |
|---|---|---|---|
| 2024 | 45 Euro | ca. 12,7 Cent | ca. 14,2 Cent |
| 2025 | 55 Euro | ca. 15,7 Cent | ca. 17,3 Cent |
| 2026 | 55 bis 65 Euro | 15,7 bis 18,6 Cent | 17,3 bis 20,5 Cent |
Wo genau der Liter im Korridor landet, hängt von der Nachfrage bei den Auktionen ab, nicht allein von einem politischen Beschluss. Ein voller 50-Liter-Tank Diesel trägt damit im ungünstigsten Fall gut 10 Euro CO₂-Abgabe, ein Benzintank knapp 9,30 Euro.
Kabinettsbeschluss vom 12. August 2026
Warum 2027 vorerst Entwarnung gilt
Die für 2027 geplante nächste Erhöhung wird ausgesetzt. Das Bundeskabinett hat am 12. August 2026 eine Änderung des Brennstoffemissionshandelsgesetzes beschlossen: Der Preiskorridor von 55 bis 65 Euro je Tonne bleibt auch im kommenden Jahr bestehen.
Der Grund liegt in Brüssel. Der neue europäische Emissionshandel ETS II wurde von 2027 auf 2028 verschoben. Berlin zieht nach, um keine Lücke zwischen dem nationalen und dem europäischen System entstehen zu lassen — dieselbe Logik, die schon hinter der Lockerung der europäischen CO₂-Ziele für 2035 stand.
Der europäische Emissionshandel übernimmt
Was ab 2028 auf Autofahrer zukommt
Ab 2028 übernimmt ETS II die Preisbildung für Kraftstoffe vollständig. Zertifikate werden dann EU-weit auf dem freien Markt versteigert, ein nationaler Korridor existiert nicht mehr.
Kurzfristig erwarten Fachleute keinen Preissprung, weil das europäische Niveau vermutlich unter dem deutschen liegt. Nach 2030 ist ein deutlicher Anstieg jedoch nicht ausgeschlossen: Die Zahl der ausgegebenen Zertifikate sinkt planmäßig, der Preis folgt der Knappheit.
Zwei Stellschrauben, die wirklich greifen
Was Autofahrer jetzt tun können
Eine Rückerstattung der CO₂-Abgabe gibt es an der Zapfsäule nicht. Zwei Hebel bleiben trotzdem: Die Pendlerpauschale wurde zum Januar 2026 angehoben und gleicht einen Teil der Mehrkosten über die Steuererklärung aus. Und wer auf einen sparsameren Antrieb wechselt, senkt die Abgabe automatisch, weil sie am Verbrauch hängt — der Vergleich zwischen einem Benziner von 2015 und einem Hybrid von 2025 zeigt, wie viel dabei pro 100 Kilometer zusammenkommt.
Der komplette Ausstieg aus der Abgabe führt über Antriebe ohne fossilen Kraftstoff. Ein Elektro-Umbau des vorhandenen Fahrzeugs ist rechnerisch selten der günstigste Weg, und synthetische Kraftstoffe bleiben teuer: Was ein Liter E-Fuel realistisch kostet und wie viel Energie dabei verloren geht, haben wir im Detail durchgerechnet.
Der CO₂-Preis ist übrigens keine klassische Steuer, sondern eine zweckgebundene Abgabe. Die Einnahmen fließen in den Klima- und Transformationsfonds und finanzieren Klimaschutzprojekte in Deutschland.
Die Rechnung, die zählt
Unser Fazit vor der nächsten Tankfüllung
Der Sprung von 2025 auf 2026 kostet Sie wenige Cent je Liter, nicht wenige Euro. Bei 15 000 Kilometern im Jahr und 6,5 Litern Verbrauch sind es rund 30 Euro mehr — spürbar, aber nicht das, was Ihre Autokosten bestimmt.
„Wer die CO₂-Abgabe ernst nimmt, sollte zuerst auf den Verbrauch schauen, nicht auf die Zapfsäule. Ein halber Liter mehr auf 100 Kilometer, weil der Motor schlecht gewartet ist, kostet über ein Jahr das Mehrfache dessen, was der Preiskorridor 2026 ausmacht. Die Abgabe ist ein fester Aufschlag pro Liter — die einzige Größe, die Sie selbst steuern, ist die Zahl der Liter.“
Und die größten Posten stehen ohnehin woanders in der Rechnung: Ein fälliger Zahnriemenwechsel kostet je nach Fahrzeug mehrere hundert Euro — mehr, als die CO₂-Abgabe in mehreren Jahren zusammen ausmacht.

Kfz-Experte




