Einordnung
Was taugt das Mecarun P18?
Am 8. September pries ein Beitrag in der Shopping-Rubrik eines Automagazins das P18 als Schutz gegen Verschleiß bei jedem Start. Um das zu beurteilen, haben wir die Produktseite, die FAQ und das Sicherheitsdatenblatt (SDB) des Herstellers gelesen.
Was der Hersteller sagt
Das P18 nach Angaben von Mecarun
Das SDB nennt als Hersteller die Firma Hi-Tec International mit Sitz in Gond-Pontouvre im französischen Département Charente. Mecarun stellt das P18 als Oberflächenbehandlung des Metalls dar und stellt klar, es sei „kein Ölzusatz“.
Die Produktseite verspricht weniger Verschleiß beim Kaltstart, bessere Kompressionswerte und eine längere Lebensdauer der Bauteile. Angekündigt wird eine Rezeptur ohne Chlor, PTFE und Molybdän, verträglich mit allen Ölen.
Laut Mecarun kommt das P18 in Zwei- und Viertaktmotoren, in Schaltgetrieben, in Achsgetrieben und in Hydraulikkreisläufen zum Einsatz. Die Seite empfiehlt es außerdem als Schneidöl. Während der Einfahrphase eines neuen Motors schließt der Hersteller es aus.
4 % bei der ersten Anwendung
Dosierung und Ölstand
Mecarun setzt die Dosis bei der ersten Anwendung auf 4 % des Ölvolumens an, bei den folgenden Ölwechseln auf 2 %. Das Mittel wird beim Ölwechsel oder bis zu 8.000 km danach eingefüllt. Bei einer Ölwanne mit 4 Litern ergibt das 160 ml beim ersten Mal und 80 ml bei jedem weiteren.
Die 250-ml-Flasche überschreitet diese 4 % bei jeder Ölwanne unter 6,25 Litern. Vollständig in eine bis zum Maximum gefüllte Ölwanne gegeben, hebt sie den Stand über die Markierung des Ölmessstabs. Händler weisen darauf hin, dieses Maximum einzuhalten.
Die Abweichung zwischen beiden Dokumenten
Ein Chlorparaffin im Sicherheitsdatenblatt
Die Website von Mecarun verweist auf ein SDB des P18 vom 12. September 2024. Darin ist ein Chlorparaffin C14-17 (CAS-Nummer 85535-85-9) mit höchstens 30 % der Mischung angegeben. Als weitere Bestandteile sind ein medizinisches Weißöl und ein Kohlenwasserstoff-Lösemittel aufgeführt.
Im Transportabschnitt des Datenblatts tauchen die Chlorparaffine in der Bezeichnung des Produkts auf.
Die Produktseite verspricht dagegen eine Rezeptur ohne Chlor. Die Abweichung kann von einem nicht aktualisierten Datenblatt, von einem Fehler in einem der beiden Dokumente oder von einer Änderung der Rezeptur seit 2024 herrühren.
CLP-Kennzeichnung
Die Gefahrenhinweise und ihre Reichweite
Das Datenblatt trägt das Signalwort „Gefahr“, gefolgt von drei rechtlich vorgeschriebenen Hinweisen. H304 besagt, das Produkt „kann bei Verschlucken und Eindringen in die Atemwege tödlich sein“. Die beiden anderen betreffen das Stillen (H362, „kann Säuglinge über die Muttermilch schädigen“) und die Umwelt (H410, „sehr giftig für Wasserorganismen“).
Diese Hinweise beschreiben Risiken beim Umgang und beim Eintrag in die Umwelt. Die europäische CLP-Verordnung regelt die Kennzeichnung chemischer Produkte. Sie ordnet H304 automatisch jedem Kohlenwasserstoff zu, dessen kinematische Viskosität bei 40 °C 20,5 mm²/s nicht überschreitet.
Die Flasche gehört unter Verschluss, und das Datenblatt stuft die Reste des Produkts als gefährlichen Abfall ein.
Was die Fachliteratur sagt
Chlor und Motoren, laut einem US-Patent
In der Zerspanung setzt die Industrie Chlorparaffine als Hochdruckadditive ein, wenn Werkzeug und Werkstück unter hoher Last arbeiten. In der Hitze reagiert das Chlor mit dem Stahl und bildet einen Eisenchlorid-Film, der die Reibung begrenzt.
Grundsätzlich hält das US-Patent US 4 844 825 Chlorparaffine für ungeeignet für Verbrennungsmotoren. Erhitzt setzen sie korrosive Salzsäure frei.
Derselbe Text beschreibt eine mit einem Korrosionsschutz-Sulfonat korrigierte Chlorrezeptur für den Einsatz im Motor. Ein SDB führt nur die als gefährlich eingestuften Bestandteile auf, und jenes des P18 sagt nicht, ob ein solches Additiv enthalten ist. Weder dieses Patent noch die übrigen eingesehenen Unterlagen bringen das P18 mit einem Korrosionsfall in Verbindung.
Was gefühlt und was gemessen wird
Nutzerstimmen und Verschleißmessungen
Im Forum Hybrid Life füllte der Besitzer eines Mondeo Hybrid 180 ml P18 in sein Motoröl. Er zitiert eine Zusammenfassung von Kundenbewertungen. Die Käufer beschreiben darin einen leiseren und geschmeidigeren Motor, eine spontanere Beschleunigung und weichere Gangwechsel.
Er selbst schreibt, er könne nur Eindrücke bezeugen, ohne ein Bauteil vorher und nachher auszubauen.
Mecarun veröffentlicht auf YouTube eine Vorführung auf einem Reibungsprüfstand. Laut Videobeschreibung stellt die Vorführung einen Metall-Metall-Kontakt ohne Schmierung demselben Kontakt mit P18 gegenüber.
Unsere Recherchen haben keine unabhängige Verschleißmessung gefunden, weder durch Ausbau noch durch Ölanalyse.
Zahnriemen im Ölbad
Der Fall der PureTech-Motoren
Bei den PureTech mit Zahnriemen im Ölbad läuft der Steuerriemen im Motoröl. Bei der vom Hersteller angegebenen Dosis fügt das P18 dort bis zu 1,2 % Chlorparaffin hinzu, gerechnet auf den im Datenblatt genannten Höchstgehalt. Kein Test des P18 an einem im Öl laufenden Riemen taucht in den eingesehenen Quellen auf.
Die Ölnorm hängt von der Motorvariante ab und steht im Serviceheft. Im Februar 2024 wies Stellantis sein Netz an, das 0W-30 B71 2312 durch ein 5W-30 FPW9.55535/03 zu ersetzen. Die Anweisung betraf die bis August 2018 gebauten 1.2 Turbo Euro 6.1.
Der eingangs erwähnte Beitrag aus der Shopping-Rubrik versichert, das P18 verlängere das Intervall zwischen zwei Ölwechseln. Die Produktseite von Mecarun sagt dazu nichts.
Stellantis knüpft seine verlängerte PureTech-Garantie an die Einhaltung des Wartungsplans. Der Konzern toleriert 3 Monate oder 3.000 km Verzug auf diesen Kalender. Die Wartung darf bei jedem Kfz-Profi erfolgen, und verlangt werden nur die drei letzten Rechnungen.
Jenseits dieser Spanne fällt es aus den Bedingungen der Garantieverlängerung heraus, die Ölwechsel weiter auseinanderzuziehen.
Was feststeht und was nicht
Der Stand am 10. September 2026
Die Unterlagen des Herstellers legen die Dosierung, das Verbot während der Einfahrphase und die Gefahrenhinweise fest. Produktseite und Datenblatt widersprechen sich beim Chlor, und keine bekannte unabhängige Messung beziffert die Wirkung des Mittels auf den Verschleiß.
Bevor Sie ein Additiv einfüllen
- Verwenden Sie das Öl nach der Norm des Servicehefts, halten Sie dessen Intervalle ein und bewahren Sie die Rechnungen auf.
- Fragen Sie vor dem Kauf Ihre Werkstatt.
- Wenn Sie das P18 verwenden: 4 % dosieren, den Ölmessstab kontrollieren und es während der Einfahrphase meiden.
- Geben Sie die leere Flasche und die Reste beim Wertstoffhof ab.
Den Zahnriemen in der Werkstatt prüfen lassen
Zweifel am Zustand Ihres Steuertriebs oder am vorgeschriebenen Öl? Finden Sie einen Fachbetrieb in Ihrer Nähe.
Am 10. September 2026 eingesehene Unterlagen:
- • Produktseite P18, mecarun.fr
- • FAQ von Mecarun
- • SDB Mécarun P 18, Ausgabe vom 12.09.2024
- • Patent US 4 844 825
- • Mecarun-Video, Reibungsprüfstand
- • Forum Hybrid Life

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