Studie der Universität Bristol
Das « grüne » Gas in der Kritik
Ein Kältemittel, das als ökologische Lösung schlechthin gilt, soll in Wahrheit der Hauptverursacher der TFA-Belastung in Europa sein. Dieser ewige Schadstoff steckt bereits im Leitungswasser, in Lebensmitteln und im menschlichen Körper.
Eine am 8. Juli 2026 in Environmental Science & Technology Letters veröffentlichte Studie der Universität Bristol zeigt, dass HFO-1234yf weltweit bis zu drei Viertel jener TFA-Menge erzeugen könnte, die sein Vorgänger HFC-134a hervorbrachte.
Dieses Gas steckt in der Klimaanlage nahezu aller Neuwagen, die seit 2017 verkauft wurden. Es setzt direkt 22-mal weniger Emissionen frei als das alte Mittel, doch sein Abbau in der Atmosphäre setzt eine Verbindung frei, die nie wieder verschwindet.
Europa an vorderster Front
In manchen Regionen des Kontinents liegen die TFA-Einträge bis zu 3,6-mal höher. Italien, Deutschland, Österreich, die Schweiz und Frankreich sind am stärksten betroffen.
Die Familie der PFAS
Ein Schadstoff, der sich nie abbaut
TFA gehört zur Familie der PFAS, jener Stoffe, die wegen ihrer Beständigkeit in der Umwelt « ewige Chemikalien » genannt werden. Es löst sich leicht im Regenwasser und reichert sich weltweit in Flüssen, Seen und im Grundwasser an.
In Frankreich wies eine Messkampagne der Gesundheitsbehörde Anses im Jahr 2025 in 92 % der landesweit untersuchten Trinkwasserproben TFA nach. Anfang Juni 2026 stufte ein Ausschuss der Europäischen Chemikalienagentur die Verbindung als vermutlich fortpflanzungsgefährdend, sehr persistent und sehr mobil in natürlichen Medien ein.
Die Messungen auf dem Jungfraujoch
Das Schweizer Labor, das Alarm schlägt
Auf der Station Jungfraujoch, dem höchstgelegenen Labor Europas, verfolgen die Forscher der Empa den Anstieg der neuen Kältemittel seit deren Markteinführung. Der Chemiker Stefan Reimann und sein Team waren die ersten weltweit, die diese sogenannten HFO-Verbindungen gemessen haben.
Anders als die verbotenen FCKW oder die danach eingesetzten HFKW greifen HFO die Ozonschicht nicht an und heizen die Atmosphäre nicht nennenswert auf. Das Problem beginnt, sobald das Gas entweicht: Beim Abbau entsteht TFA, das in den Wasserkreislauf gelangt und ihn nicht mehr verlässt.
Rund die Hälfte der Schweizer Fahrzeuge fährt heute mit diesem Mittel, das den Herstellern seit zehn Jahren vorgeschrieben ist. Undichte Klimaanlagen und Wartungsarbeiten bleiben die wichtigsten Wege, auf denen dieses Gas in die Atmosphäre gelangt.
Undichtigkeiten und Wartung
Was das unter Ihrer Motorhaube bedeutet
Das ist der Punkt, der Sie unmittelbar betrifft: Das Gas entweicht nicht von allein, es verschwindet über Undichtigkeiten im Kreislauf und bei Eingriffen. Ein dichter Kreislauf und eine fachgerechte Befüllung mit Rückgewinnung des Altmittels begrenzen, was in der Atmosphäre landet.
Der Klimakompressor wird vom Keilrippenriemen angetrieben, also von jenem Riemen, der auch Lichtmaschine und Servopumpe dreht. Eine Klimaanlage, die nur lauwarm bläst, ein Pfeifen beim Zuschalten oder eine Warnleuchte im Cockpit können daher rühren: Unser Ratgeber zu den Warnleuchten bei defektem Keilrippenriemen beschreibt die Diagnose.
Es ist nicht der einzige blinde Fleck des Automobils bei der Umwelt: Auch der Reifenabrieb setzt Partikel frei, die keine Abgasnorm erfasst. Den umgekehrten Weg, also Lösungen, die den Ausstoß ohne Eingriff am Motor senken, haben wir in unserem Artikel über die Wasser-Diesel-Emulsion, die die Schadstoffe um 67 % senkt beleuchtet, ebenso die Debatte über Dieseladditive und die Umwelt.
Zum Zeitplan: Die Klimaanlage wird zusammen mit dem Rest geprüft, vor den harten Jahreszeiten. Unser Ratgeber zur Fahrzeugwartung im Winter listet die zu prüfenden Punkte auf. Die Forscher aus Bristol fordern unterdessen eine verstärkte weltweite Überwachung der HFO-1234yf-Emissionen.

Kfz-Experte


