Kontext
Der Skandal des Jahrzehnts
Der 1.2-PureTech-Motor von Stellantis (Peugeot, Citroën, DS, Opel) verkörpert einen der größten Autoskandale des Jahrzehnts und reiht sich in den jüngsten Rückruf wegen Brandgefahr ein. Dieser Dreizylinder, der eigentlich die Emissionen senken sollte, wird zum finanziellen Fass ohne Boden: Ein simpler, vernachlässigter 100-€-Defekt löst die komplette Zerstörung des Motors aus.
Technik
Der Nasslauf-Zahnriemen: eine tickende Zeitbombe
Die Wurzel des Übels liegt im „nassen“ Zahnriemen, der im Motoröl läuft, statt trocken zu arbeiten. Diese Neuerung sollte die Reibung verringern, doch das heiße Öl greift den Gummi mit der Zeit an und setzt Partikel frei, die das Schmiersystem verstopfen. Der Motor, ohne Öl, frisst sich fest: Reparatur zwischen 4.000 € und 8.000 €. Je heißer der Motor wird, desto stärker schaukelt sich das Phänomen auf: warum Hitze den im Ölbad laufenden Zahnriemen schneller zerstört als erwartet.
Diagnose
Die tödlichen Warnsignale
Der Ölabscheider für 100 €
Ein erhöhter Ölverbrauch (mehr als 0,5 Liter auf 1.000 km) deutet oft auf einen defekten Ölabscheider (PCV-Ventil) hin, austauschbar für 50 € bis 100 €. Ignoriert man dieses Symptom, setzt ein Verschleiß der Kolbenringe ein: 3.000 € bis 4.000 € Reparatur. Genau hier entscheidet sich die Ersparnis von 7.900 €: Tauscht man dieses kleine Ventil vorbeugend aus, verhindert man, dass das Öl verbrennt und die Kolbenringe zerstört.
Die Öldruckleuchte: absoluter Notfall
Verstopfen die Partikel das Ölansaugsieb, blinkt die Öldruckleuchte beim Bremsen oder in Kurven auf. Eine vorbeugende Reinigung kostet 300 € bis 600 €, doch Untätigkeit führt zum Fressen des Motors oder zum Defekt des Turboladers.
Kostenübernahme
Die 10-Jahres-Garantie unter strengen Bedingungen
Angesichts des Rückrufskandals hat Stellantis im Mai 2025 eine Garantie von 10 Jahren oder 180.000 km für alle bis Ende 2025 produzierten Motoren 1.0 und 1.2 PureTech eingeführt. Diese Deckung übernimmt 100 % der Reparaturkosten im Zusammenhang mit dem Zahnriemen und dem erhöhten Ölverbrauch.
Vorsicht
Die Fallstricke der Anspruchsberechtigung
Um sie in Anspruch zu nehmen, muss die Wartung die Herstellervorgaben peinlich genau einhalten, mit einer Toleranz von nur 3 Monaten oder 3.000 km. Ein nicht freigegebenes Öl oder eine fehlende Rechnung setzt die Kostenübernahme sofort außer Kraft. Für seit Januar 2022 bezahlte Reparaturen existiert eine Erstattungsplattform.
Justiz
883 Kläger gehen in die Offensive
Am 14. Februar 2025 haben 883 Autofahrer unter der Leitung von Rechtsanwalt Christophe Lèguevaques eine kollektive Strafanzeige gegen Stellantis eingereicht. Die Anklagepunkte umfassen schweren Betrug, irreführende Geschäftspraktiken, Betrug und Gefährdung Dritter. Das Ziel: einen universellen Rückruf ohne Wartungsbedingungen sowie Entschädigungen für alle Geschädigten zu erwirken.
Entwicklung
Die späte Lösung: Abschied vom Nasslauf-Zahnriemen
Seit 2023 hat Stellantis den Nasslauf-Zahnriemen bei der dritten Generation des 1.2-Motors klammheimlich durch eine klassische Steuerkette ersetzt. Diese Rückkehr zu einer bewährten Technik beseitigt das Verstopfungsrisiko, kommt aber nach Jahren fehlerhafter Vermarktung.
Wartung
Überlebenstipps für Besitzer
Bei Motoren, die vor Mitte 2023 produziert wurden, erfordert das mechanische Überleben äußerste Sorgfalt:
- Vorgeschriebener jährlicher Ölwechsel mit freigegebenem Öl, spätestens alle 10.000 km
- Sichtkontrolle des Zahnriemens alle 2.000 km
- Vorbeugender Austausch alle 100.000 km oder 6 Jahre
- Sofortiges Anhalten bei der kleinsten Öldruckwarnung

Kfz-Experte




