Kontext
Ein auf Laufruhe ausgelegter Zahnriemen, von der Hitze eingeholt
Der im Ölbad laufende Zahnriemen des 1.2 PureTech wurde entwickelt, um Reibung, Geräusche und Bauraum zu reduzieren. In der Praxis hat die Motortemperatur rasch eine andere Seite offenbart: die eines Alterungsbeschleunigers für das HNBR-Elastomer, aus dem der Zahnriemen besteht.
In diesem Motor steigt das Öl regelmäßig über 100 °C. Bei einem schlecht belüfteten Steuergehäuse staut sich die Hitze rund um den Zahnriemen und beschleunigt die chemischen Reaktionen, die das Material verhärten. Um herauszufinden, ob Ihr Fahrzeug diesen im Ölbad laufenden Zahnriemen besitzt, schafft der Test am Öleinfülldeckel in 2 Minuten sofort Klarheit.
Mechanismus
Das Benzin, das das Öl verdünnt und den Zahnriemen aufquellen lässt
Das Problem entsteht nicht durch die Hitze allein. Kurzstrecken, das Start-Stopp-System und die Direkteinspritzung begünstigen zusätzlich die Verdünnung des Öls durch Benzin. Dieses Benzin durchdringt anschließend den Schmierstoff, lässt den Zahnriemen aufquellen und schwächt seine innere Struktur.
Diese Verunreinigung des Öls durch Kraftstoff oder Wasser ist nie harmlos: Sie lässt sich mitunter direkt unter dem Öleinfülldeckel ablesen, ein Zeichen dafür, dass der Schmierstoff seine Schutzfunktion nicht mehr erfüllt.
Technik
Bei hoher Temperatur oxidiert das Öl und der Gummi reißt
Bei hoher Temperatur spitzt sich die Lage zu. Die Hitze beschleunigt die Oxidation des Öls, erhöht seinen Säuregehalt und begünstigt den Abbau der Zahnriemenoberfläche. Das Ergebnis: Der Gummi verhärtet, verliert seine Geschmeidigkeit und reißt schließlich ein.
Es ist derselbe Mechanismus, der eine Hitzewelle für alle Motoren gefährlich macht: extreme Hitze lässt die Leistung einbrechen und setzt der Mechanik zu. Beim PureTech greift sie zusätzlich direkt den im Öl laufenden Zahnriemen an.
Folgen
Die Kettenreaktion bis zum Turbolader
Damit endet es nicht. Die Zahnriemenrückstände gelangen in den Ölkreislauf, setzen das Ölsieb zu und können den Schmierdruck absacken lassen. Der Turbolader, die Vakuumpumpe und weitere empfindliche Bauteile sind dann einer Kettenreaktion an Schäden ausgesetzt.
In diesem Stadium hat die Rechnung nichts mehr mit einem simplen Zahnriemen zu tun: Die Rede ist von Motorschaden und Kostenvoranschlägen über mehrere tausend Euro, während eine vorbeugende Prüfung nur einen Bruchteil davon gekostet hätte.
Übernahme
Die Antwort von Stellantis: verkürzte Wartung und Spezialöl
Bei Stellantis fiel die Antwort zweigeteilt aus: verkürzte Wartungsintervalle und ein Öl nach der Norm FPW9.55535/03. Auch die Austauschintervalle wurden überarbeitet, mit einer Umstellung auf 6 Jahre oder 100.000 km bei bestimmten betroffenen Generationen.
Um das Ölbad endgültig loszuwerden, greifen manche zu einem Umbausatz vom Zahnriemen auf Steuerkette, ein Weg, der noch Fachbetrieben vorbehalten ist, das Risiko aber an der Wurzel beseitigt.
Fazit
Das Wichtigste in Kürze
Im Kern ist die Feststellung einfach: Beim 1.2 PureTech wirkt die Temperatur als wesentlicher Auslöser für den Verschleiß des im Ölbad laufenden Zahnriemens. Je heißer der Motor wird, desto höher das Risiko von Aufquellen, Verhärtung und Riss.
- Ausreichend lange Fahrten bevorzugen, damit das Öl auf Temperatur kommt und die Benzinverdünnung begrenzt wird.
- Den jährlichen Ölwechsel mit einem nach FPW9.55535/03 zugelassenen Öl einhalten und die Intervalle nicht überschreiten.
- Den Zahnriemen alle 10.000 km überwachen und bei jeder Öldruck-Warnleuchte sofort reagieren.

Kfz-Experte




