Entschuldigung
Ein unerwartetes Schuldeingeständnis und wartende Besitzer
Diese Woche hat der Peugeot-Chef Abbitte geleistet. Alain Favey räumte öffentlich ein, dass die Marke „den Eindruck erweckt hatte, auf Zeit zu spielen" angesichts der Schäden am Motor 1.2 PureTech. Zehntausende Besitzer von 308, 2008, 3008 und 5008 warten seit Jahren auf Rechenschaft.
Das Ergebnis? Eine durchschnittliche Entschädigung von 1.700 Euro. Eine Summe, die der Anwalt Christophe Leguevaques, der die Sammelklage von fast 3.000 Klägern vor dem Gericht in Versailles anführt, als deutlich unzureichend einstuft.
Ursprung des Problems
Der Mangel, den Stellantis zu spät einräumte
Der 2012 eingeführte Motor PureTech 1.2 Liter leidet an einem konkreten Konstruktionsfehler: Sein im Ölbad laufender Zahnriemen zersetzt sich vorzeitig. Bruchstücke verstopfen die Vakuumpumpe des Bremssystems – ein direktes Sicherheitsrisiko.
Am stärksten betroffen sind die zwischen 2014 und Mitte 2022 gebauten Modelle: Peugeot 208, 308, 2008, 3008, 5008, aber auch Citroën C3, C4, Opel Crossland X und sogar der Jeep Renegade. Erst 2022 hat Stellantis die Architektur des Motors überarbeitet und den Zahnriemen durch eine Steuerkette ersetzt.
Vorgehen
Die Entschädigungsplattform: zu wenig, zu spät?
Im Januar 2025 hat Stellantis eine Online-Reklamationsplattform eröffnet. Sie deckt die zwischen dem 1. Juni 2022 und dem 18. März 2024 durchgeführten Reparaturen ab, sofern eine Wartung nach Herstellerplan im autorisierten Netzwerk vorliegt.
Im März 2024 war bereits eine Garantieverlängerung gewährt worden: 10 Jahre oder 175.000 km Abdeckung für die PureTech-Motoren. Unzureichend, so die Anwälte der Betroffenen, die die vollständige Erstattung aller mit dem Mangel verbundenen Kosten fordern – Reparaturen samt Folgeschäden inbegriffen.
Folgen
Auch die Händler zahlen die Zeche
Das Peugeot-Netzwerk trägt die Folgen mit voller Wucht. 60 % der Gebrauchtwagenbestände der Händler sollen aus PureTech-Modellen bestehen. Bei den Rücknahmen klaffen Lücken von 1.500 bis 2.000 € zwischen der ursprünglichen Rücknahmezusage und dem tatsächlichen Marktwert.
In den sozialen Netzwerken kursiert weiterhin massiv die Parole „Kauft keinen PureTech". Angesichts dieses anhaltenden Misstrauens hat Peugeot bereits im Herbst 2024 beschlossen, die Bezeichnung PureTech in der gesamten Kommunikation aufzugeben. Der neue Motor 1.2 Mild-Hybrid Gen 3 trägt nun eine Steuerkette – doch in den Köpfen der Käufer bleibt die Verwirrung bestehen.
Gerichtliche Schritte
Was die Betroffenen wirklich wollen
Der Anwalt Christophe Leguevaques wird deutlich: „Stellantis bittet die Hunderttausenden betroffenen Autofahrer nicht um Verzeihung. Der Hersteller stellt eine stark verkürzte Realität dar." Parallel wurde ein Strafverfahren eingeleitet, wegen der Vorwürfe des schweren Betrugs und der Gefährdung des Lebens anderer.
Die geschädigten Besitzer haben bislang zwei Optionen: sich der zivilrechtlichen Sammelklage in Versailles anschließen oder über die Stellantis-Plattform einen Einzelantrag stellen – unter Inkaufnahme des Risikos, weniger als 1.700 Euro zu erhalten.

Kfz-Experte



