Die kraftvolle Rückkehr des Verbrenners
Eine stille Revolution in den Laboren
Der Verbrennungsmotor war zum Tode verurteilt. Das Datum 2035 schien ihn endgültig zu besiegeln. Doch die Verkaufszahlen des Elektroautos haben alles durcheinandergewirbelt.
Die Hersteller sehen sich mit Anschaffungskosten konfrontiert, die die Käufer massiv abschrecken. Stellantis hat sogar die Rückkehr des Diesels in seine Palette erwogen. Und in den Laboren hat ein diskreter, aber fieberhafter Wettlauf begonnen: den einen Motor zu entwerfen, der mit jedem auf der Erde verfügbaren Kraftstoff laufen kann.
Die spanische Innovation
Der e-REX von INNengine: 120 PS bei 35 kg
Das spanische Start-up INNengine hat einen Motor vorgestellt, der nichts mehr mit einem klassischen Motor zu tun hat.
Keine Kurbelwelle. Keine Ventile. Keine Nockenwelle. Stattdessen: acht gegenläufige Kolben, die eine gewellte Rotationsscheibe antreiben. Seine Erfinder nennen ihn patentierter Einzeltakt-Motor – jede Umdrehung erzeugt vier Verbrennungen.
Das Ergebnis? Ein Aggregat mit 500 cm³, 35 Kilo, 120 PS, mit einem stufenlos variablen Verdichtungsverhältnis, das 44 % thermischen Wirkungsgrad übersteigt.
Dieses Verdichtungsverhältnis passt sich elektronisch an die Flüssigkeit im Tank an: klassisches Benzin, Bioethanol, Wasserstoff, E-Fuels oder synthetische Kraftstoffe.
Horse Powertrain – die von Renault, Geely und Aramco gegründete Motorensparte – prüft eine Serienfertigung. Nicht als Hauptmotor, sondern als Reichweitenverlängerer für Elektrofahrzeuge.
Die niederländische Alternative
Die TU Delft setzt auf die Mikroturbine
Die Ingenieure der niederländischen Universität TU Delft haben mit dem Eco-Runner XVI, einem für den Shell Eco-marathon konzipierten Wasserstofffahrzeug, einen radikal anderen Weg eingeschlagen.
Ihre Wahl: eine Gas-Mikroturbine. Anders als Kolben, die pro Minute Tausende von Mini-Explosionen erzeugen, verbrennt die Turbine den Kraftstoff kontinuierlich. Das Ergebnis: Sie passt sich elektronisch an fast alles an – flüssig oder gasförmig.
Die Turbine im Auto hat es bereits gegeben (Jaguar CX-75), doch die Produktionskosten hatten alles gestoppt. Die Miniaturisierung ändert die Ausgangslage.
Die Multi-Pathway-Strategie
Toyota und Mazda: die Giganten glauben wirklich daran
Diese Bewegung geht weit über die Start-ups hinaus.
Mazda nutzt seinen Wankel-Kreiskolbenmotor im MX-30 R-EV als Reichweitenverlängerer. Diese Art Motor läuft bei konstanter Drehzahl – ein natürlicher Vorteil, um sich an E-Fuels und Wasserstoff anzupassen.
Toyota geht noch weiter. Der Konzern glaubt an eine „Multi-Pathway“-Strategie: Das Elektroauto wird nie die einzige Lösung sein. Seine neue Generation von Verbrennungsmotoren – Spitzname „Renaissance-Motoren“ – umfasst zwei Aggregate (1,5 L und 2,0 L), die von der Konzeption an für den Betrieb mit Benzin, synthetischen Kraftstoffen, Biodiesel und Wasserstoff ausgelegt sind.
Die Zukunft des Verbrenners
Warum das alles verändert
Eine einzige Energiequelle ist eine Schwachstelle. Die Energiekrisen der letzten Jahre haben das brutal gezeigt.
Ein allesfressender Verbrennungsmotor hingegen passt sich der lokal verfügbaren Energie an. Afrikanischer, asiatischer, europäischer Markt: dasselbe Aggregat, anderer Kraftstoff.
Das ist eine direkte Antwort auf die realen Grenzen des reinen Elektroantriebs: unzureichende Infrastruktur, hoher Anschaffungspreis, Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen.
Der Verbrennungsmotor kehrt nicht aus der Vergangenheit zurück. Er mutiert zu etwas, das niemand wirklich vorausgesehen hatte.

Kfz-Experte




