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PureTech-Defekt⚠ Vorbeugend

PureTech-Historie: die Entwicklung des Motors von 2012 bis 2024

Der PureTech-Motor kam 2012 in den Fahrzeugen des PSA-Konzerns auf den Markt. In zwölf Jahren hat er mehrere technische Generationen durchlaufen — einige geprägt von ernsten Schäden, andere von schrittweisen Korrekturen.

Aktualisiert am 28. April 2026 · von Romain Bouchard

Die wichtigsten Zahlen im Überblick

  • 2012: Start des PureTech als Sauger (EB2F), anerkannt zuverlässig
  • 2014: Ankunft des Turbo-PureTech (EB2DT/EB2DTS), Beginn der Steuertriebprobleme
  • 80.000 bis 120.000 km: kritischer Bereich für den Kettenriss bei den Generationen EB2DT/EB2DTS
  • Betroffene Motorcodes: EB2DT, EB2DTS (Turbo, 110 PS), EB2ADTS (überarbeitete Version ab 2022)
  • 600 bis 2.700 €: Spanne für die Steuertriebreparatur beim PureTech, je nach Generation und Werkstatt (Stand April 2026)

2012–2013: der PureTech als Sauger, ein guter Start

Der erste PureTech ist der EB2F: ein 1,2-Liter-Dreizylinder ohne Aufladung, 82 PS. Er steckt ab 2012 in den ersten Peugeot 208, Citroën C3 und DS 3.

Dieser Motor ist von der Steuertriebproblematik nicht betroffen. Sein Steuertrieb ist robust, sein mechanisches Verhalten auf Dauer zuverlässig. Halter, die mit einem EB2F 150.000 oder 200.000 km ohne größeren Zwischenfall fahren, sind keine Seltenheit.

Dieser Punkt ist wichtig: Wenn vom „PureTech-Problem“ die Rede ist, geht es um die Turboversionen, nicht um den Sauger. Für den genauen Vergleich der beiden Familien lohnt sich ein aufmerksamer Blick auf die technischen Unterschiede zwischen dem 1.2 PureTech und dem 1.0 VTi.


2014–2018: der Turbo kommt, der Ärger beginnt

2014 führt PSA die aufgeladenen Versionen ein: den EB2DT (100 PS) und den EB2DTS (110 bis 130 PS). Der Markt verlangt mehr Leistung aus einem kompakten Motor. Die Mechanik hält nicht mit.

Diese Motoren bekommen eine Steuerkette anstelle eines Zahnriemens, was die Wartung vereinfachen sollte. Die Kette sollte ein Motorleben lang halten. In der Praxis längt sie sich, der hydraulische Kettenspanner gleicht das nicht mehr aus, und die Steuerzeiten verschieben sich – mit Folgen, die vom bloßen Fehlercode bis zum zerstörten Motor reichen.

Die bei diesen Generationen am häufigsten ausgelesenen Codes: P0341 (Signal des Nockenwellensensors außerhalb der Toleranz), P0011 und P0014 (Steuerzeiten außerhalb des Sollwerts), P0521 (Öldruck). Der letzte ist ein ernstes Alarmsignal: Zu geringer Öldruck beschleunigt den Verschleiß des Kettenspanners.

Die Ölqualität spielt eine unmittelbare Rolle. Diese Motoren verlangen ein Öl nach der Norm PSA B71 2312 (ACEA C2, Low SAPS) in der Viskosität 5W-30. Ein ungeeignetes Öl – auch von einer bekannten Marke – setzt dem Spanner schneller zu. Die vom Hersteller empfohlenen Ölwechselintervalle (je nach Version oft 20.000 oder 30.000 km) halten viele spezialisierte Mechaniker für zu lang.

Um vor jedem Werkstattbesuch den genauen Motorcode Ihres Fahrzeugs zu ermitteln, ist die Identifikation des Motors über die VIN der zuverlässigste Weg.


2018–2021: PSA korrigiert, ohne es zu kommunizieren

Ab 2018 verändert PSA Steuerkette und Spanner in der laufenden Produktion schrittweise. Diese Anpassungen geschehen leise: keine offizielle Mitteilung, kein flächendeckender Rückruf in diesem Zeitraum. Die Halter der zuvor gebauten Fahrzeuge erfahren nichts davon.

Garantieverlängerungen werden von Fall zu Fall gewährt, je nach Markt und Betrieb. Die einschlägigen Foren dokumentieren diese Zeit genau: Zahlreiche Halter erhalten nach hartnäckigem Nachfragen eine teilweise oder vollständige Übernahme – vorausgesetzt, sie können die regelmäßige Wartung belegen.

Für Fahrzeuge aus diesem Zeitraum führt unser Referenzdossier zum PureTech-Problem die konkreten Schritte auf, die zur Verfügung stehen.


2022–2024: der EB2ADTS, eine überarbeitete Kette

Die Generation EB2ADTS, ab 2022 schrittweise in der Neuproduktion eingeführt, hat eine verstärkte Steuerkette und einen überarbeiteten hydraulischen Spanner. Die ersten Rückmeldungen aus der Praxis – vor allem beim überarbeiteten Peugeot 208 und beim Citroën C3 III 1.2 PureTech – fallen deutlich ermutigender aus.

Diese Version ist noch jung, die Erfahrung mit hohen Laufleistungen begrenzt. Die Probleme der Vorgängergenerationen verschwinden deshalb nicht vom Markt – Millionen EB2DT/EB2DTS sind weiter unterwegs, und ihre Halter müssen wachsam bleiben.

Die Einschätzung meines Schraubers

Was ich bei den Turbo-PureTech vor 2022 am häufigsten sehe, ist eine gelängte Kette, die monatelang kein Geräusch macht. Der Halter kommt wegen etwas ganz anderem, und wenn ich den Steuertriebdeckel abnehme, ist die Kette schon am Limit. Das untrügliche Zeichen: ein Code P0341, der bei jeder Diagnose wiederkommt, auch nach dem Löschen. Das heißt, dass der Spanner das Spiel nicht mehr aufnimmt. In diesem Stadium wird nicht abgewartet – die vorbeugende Reparatur kostet weit weniger als ein zerstörter Motor. Ich prüfe außerdem grundsätzlich den Zustand der Nockenwellenverstellereinheit: Sie gibt bei diesen Motoren oft zusammen mit der Kette auf.


Was die Chronologie für den Gebrauchtwagenkäufer bedeutet

Einen gebrauchten PureTech zu kaufen, ohne seine Generation zu kennen, ist ein Münzwurf. Ein gut gewarteter EB2F von 2013 mit 180.000 km kann der weit bessere Kauf sein als ein EB2DTS von 2016 mit 60.000 km, dessen Ölwechselhistorie niemand kennt.

Für die Turboversionen vor 2022 sind die bei jedem Eingriff am Steuertrieb einzuhaltenden Anzugsdrehmomente in unserem Beitrag Anzugsdrehmomente am PureTech-Steuertrieb dokumentiert – eine nützliche Lektüre, bevor Sie ein Werkstattangebot annehmen.

Die auf diese Motoren zugeschnittene Kaufcheckliste in unserem Ratgeber einen gebrauchten PureTech kaufen listet Punkt für Punkt auf, was vor der Unterschrift zu prüfen ist.


Häufige Fragen

Welche PureTech-Generation ist die zuverlässigste?

Der Sauger EB2F (2012–2014) ist die zuverlässigste Version. Er ist vom Kettenproblem nicht betroffen. Unter den Turboversionen bringt der EB2ADTS ab 2022 die Korrekturen an Kette und Spanner mit, die Erfahrung mit hohen Laufleistungen ist bislang aber begrenzt.

Ab welcher Laufleistung macht die Kette des Turbo-PureTech Probleme?

Die Schäden sind vor allem zwischen 80.000 und 120.000 km bei den Generationen EB2DT und EB2DTS dokumentiert. Frühere Fälle kommen vor, meist verursacht durch ungeeignetes Öl oder zu lange Ölwechselintervalle.

Woran erkenne ich, ob mein PureTech ein Turbo oder ein Sauger ist?

Der in den Block geprägte Motorcode (auch über die Zulassungsbescheinigung Teil I, Feld P.3, oder die VIN zu ermitteln) nennt die Familie. EB2F steht für den Sauger. EB2DT, EB2DTS oder EB2ADTS stehen für die Turboversionen, deren Steuertrieb zu beobachten ist.

Welches Öl gehört in einen Turbo-PureTech?

Ein Öl nach der Norm PSA B71 2312, Klassifikation ACEA C2, in der Viskosität 5W-30. Jedes Öl ohne diese Freigabe beschleunigt den Verschleiß des Kettenspanners, selbst wenn es andere Normen erfüllt.

Hat PSA den Kettenmangel beim PureTech offiziell anerkannt?

In mehreren Ländern wurden Garantieverlängerungen gewährt, und in der Produktion wurden technische Korrekturen eingeführt. Ein allgemeiner Rückruf wurde nie veröffentlicht. Die Durchsetzung von Ansprüchen bleibt Sache des einzelnen Halters, dokumentiert unter anderem von Verbraucherschutzorganisationen und in den einschlägigen Foren.

Betrifft das Kettenproblem alle Modelle mit PureTech?

Nein. In erster Linie betroffen sind nur die vor den schrittweisen Korrekturen gebauten Turboversionen (EB2DT, EB2DTS). Peugeot 208, 2008, 308, Citroën C3, C4 Cactus und die DS-Modelle mit diesen Motorcodes tauchen in den Werkstattberichten am häufigsten auf.

Kann man 2024 noch einen gebrauchten Turbo-PureTech kaufen?

Ja, sofern Sie den Motorcode und die Ölwechselhistorie prüfen und den Steuertrieb vor dem Kauf untersuchen lassen. Ein gut gewarteter EB2DTS mit kurzen Ölwechselintervallen und freigegebenem Öl bleibt ein interessanter Motor. Ein EB2ADTS ab 2022 zeigt nach heutigem Stand weniger bekannte Risiken.

Romain Bouchard
Romain Bouchard

Kfz-Experte

Als Gründer von Steuerkette-Zahnriemen.de begutachtet Romain seit über 10 Jahren Motoren. Er analysiert die technischen Mitteilungen der Hersteller, um wiederkehrende Defekte aufzuspüren.