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PureTech-Defekt🔴 Panne

Steigender Ölstand beim PureTech: Verdünnung, Gefahr, Vorgehen

Wenn der Ölstand Ihres PureTech 1.2 steigt statt zu sinken, ist das keine harmlose Auffälligkeit: Benzin gelangt ins Motoröl. Diese Kraftstoffverdünnung zerstört die Schmierfähigkeit des Öls und kann innerhalb weniger Wochen zum Motorschaden führen.

Aktualisiert am 28. April 2026 · von Romain Bouchard

Die wichtigsten Zahlen

  • EB2DT / EB2DTS: die Turboversionen des PureTech, die vorrangig von der Verdünnung betroffen sind
  • +15 bis +20 %: sichtbarer Anstieg des Ölstands am Messstab, wenn die Verdünnung fortgeschritten ist
  • 0W-20 nach PSA B71 2312 / ACEA C2: die einzige passende Ölnorm - jedes andere Öl verschärft die Lage
  • 80.000 bis 120.000 km: Laufleistungen, bei denen die Verdünnung in einschlägigen Foren am häufigsten gemeldet wird
  • 2.300 bis 4.500 €: Preisspanne für Zahnriemen samt Zubehör, wenn vor dem Schaden eingegriffen wird (Preisstand April 2026, Werkstattketten und freie Werkstätten)

Warum der Ölstand beim PureTech 1.2 steigt

Ein steigender Ölstand widerspricht der Intuition. Ein Motor verbraucht Öl, er stellt keines her. Wenn der Messstab die MAX-Marke überschreitet, muss man suchen, was dazukommt. Beim PureTech lautet die Antwort fast immer gleich: Benzin hat sich mit dem Öl vermischt.

Der Mechanismus hängt an der Schmierung des Zahnriemens im Ölbad, einer Besonderheit der Motoren EB2DT und EB2DTS. Altert der Riemen oder verschleißen seine Führungen vorzeitig, gerät die Gemischregelung aus dem Takt. Die Einspritzung liefert dann ein zu fettes Gemisch, und das überschüssige unverbrannte Benzin gelangt über die Kolbenringe in die Ölwanne.

Das verdünnte Öl verliert seine Eigenschaften: Die Viskosität fällt, die Verschleißschutz-Additive werden ausgedünnt. Nockenwellen, Kurbelwelle und Pleuel sind nicht mehr gleichermaßen geschützt. Der Öldruck fällt, was den Fehlercode P0521 auslösen oder die Öldruckkontrollleuchte aktivieren kann.


Verdünnung erkennen: die eindeutigen Zeichen

Prüfen Sie den Messstab im kalten Zustand, mindestens zwei Stunden nach dem Abstellen. Liegt der Stand deutlich über der MAX-Marke, ist eine Verdünnung wahrscheinlich. Weitere Zeichen bestätigen die Diagnose.

Das Öl am Messstab riecht leicht nach Benzin - das nimmt auch ein Laie wahr. Seine Farbe ist auffällig hell, seine Textur bei hoher Laufleistung dünnflüssiger als üblich. Beim Kaltstart können bläulicher Rauch oder ein zögerliches Anspringen auftreten. Diese Startprobleme beim PureTech 1.2 begleiten die Verdünnung häufig im fortgeschrittenen Stadium.

Ein gleichzeitig auftretendes Ticken des PureTech-Motors ist ein Alarmsignal: Die Schmierung der Nockenwellen ist dann bereits beeinträchtigt.


Die betroffenen PureTech-Versionen

Nicht alle PureTech sitzen im selben Boot.

GenerationMotorcodeVerdünnungsrisikoAnmerkung
1.2 SaugmotorEB2FGeringKein Zahnriemen im Ölbad
1.2 Turbo 110/130 PSEB2DT / EB2DTSHochRiemen im Öl + Einspritzproblem
1.2 Turbo ab 2022EB2ADTSVerringertSteuerkette, überarbeitete Architektur

Die Versionen EB2DT und EB2DTS in Peugeot 208, 2008, 308, Citroën C3 und DS3 Crossback der Baujahre 2014 bis 2021 machen den Großteil der gemeldeten Fälle aus. Der Citroën C3 III 1.2 PureTech gehört zu den am besten dokumentierten Modellen.


Was Sie auf keinen Fall tun sollten

Mit verdünntem Öl weiterzufahren, selbst wenige Tage, vergrößert den Schaden. Die Versuchung ist groß, sich zu sagen, der Motor laufe ja, das habe bis zur nächsten Wartung Zeit. Dieser Irrtum kommt teuer.

Nicht zu wechseln und weiterzufahren heißt, den Motor mit einem immer additivärmeren Gemisch zu schmieren. Die Lagerspiele wachsen. Ein Fehlercode P0016 oder P0017 beim PureTech kann auftauchen, ein Zeichen dafür, dass sich auch die Steuerzeiten verschlechtern.

Ebenso wenig sollten Sie mit einem Öl nachfüllen, das nicht der Norm PSA B71 2312 (ACEA C2) entspricht. Ein klassisches Mineralöl in diesem Motor, selbst „nur zur Überbrückung“, beschleunigt den Verschleiß von Kolbenringen und Ventilführungen.


Das richtige Vorgehen, sofort

Nicht weiterfahren, sobald die Verdünnung bestätigt ist. Das ist keine übertriebene Vorsicht: Ein Motorschaden durch fehlenden Öldruck kann ohne Vorwarnung eintreten.

Sofort einen Ölwechsel in einer Fachwerkstatt durchführen lassen, mit optischer Beurteilung des abgelassenen Öls. Manche Betriebe bieten einen Schnelltest zum Nachweis von Benzin an.

Die Ursache klären: Kehrt die Verdünnung nach dem Ölwechsel zurück, ist die Quelle nicht beseitigt. Zustand von Zahnriemen, Spannrollen und Führungen gehören dann vorrangig geprüft. Unser vollständiger Leitfaden zum PureTech-Problem beschreibt alle möglichen Ursachen und die verfügbaren Ansprüche.

Dokumentieren: Laufleistung notieren, den Messstab fotografieren, Rechnungen aufbewahren. Diese Unterlagen helfen, falls ein Verfahren gegenüber dem Hersteller oder ein Garantieantrag ansteht.

Die Einschätzung meines Mechanikers

Wenn ich einen PureTech mit verdünntem Öl vor mir habe, rieche ich als Erstes am Messstab. Der Benzingeruch ist eindeutig, da täuscht man sich nicht. Danach schaue ich mir den Riemen an: In neun von zehn Fällen sind die Führungen am Ende oder der Riemen hat sichtbare Risse. Was mich erschreckt: Manche Kunden fahren seit Wochen mit diesem auffälligen Ölstand herum, ohne sich daran zu stören. Zu diesem Zeitpunkt sind die Nockenwellen oft schon eingelaufen. Aus einem Ölwechsel für 130 € wird eine Instandsetzung für 4.500 €. Einmal im Monat auf den Messstab zu schauen, ist wirklich kein Aufwand.


Bevor Sie einen gebrauchten PureTech kaufen

Eine Ölverdünnung ist beim Kauf schwer zu erkennen, wenn der Verkäufer gerade das Öl gewechselt hat. Sehen Sie sich vor jedem Geschäft unsere Checkliste für den Gebrauchtkauf eines PureTech an: Sie nennt die für diesen Motor spezifischen Prüfungen, den Ölmessstab eingeschlossen.


Häufige Fragen

Ist ein steigender Ölstand beim PureTech schlimm?

Ja. Ein steigender Ölstand zeigt an, dass Benzin ins Motoröl gelangt - die Kraftstoffverdünnung. Verdünntes Öl schmiert nicht mehr richtig: Der Druck fällt, Bauteile verschleißen vorzeitig. Ohne schnelles Eingreifen ist ein Motorschaden möglich. Nicht weiterfahren und das Öl wechseln lassen bleibt die einzig vernünftige Reaktion.

Wie bestätige ich, dass mein Öl verdünnt ist?

Prüfen Sie den Stand im kalten Zustand: Liegt er über MAX, riechen Sie am Öl auf dem Messstab. Ein deutlicher Benzingeruch, eine auffällig helle Farbe oder eine zu dünnflüssige Textur bestätigen die Verdünnung. Eine Werkstatt kann das abgelassene Öl analysieren und den Grad der Verunreinigung beziffern.

Sind alle PureTech 1.2 von der Verdünnung betroffen?

Nein. Das Problem betrifft vor allem die Turboversionen EB2DT und EB2DTS (110 und 130 PS) der Baujahre etwa 2014 bis 2021. Der Saugmotor 1.2 EB2F ist deutlich weniger gefährdet. Die Versionen ab 2022 (EB2ADTS) haben eine Steuerkette und ein spürbar geringeres Risiko.

Kann man noch ein paar Tage bis zum Ölwechsel fahren?

Nein. Jeder Kilometer mit verdünntem Öl schädigt die geschmierten Bauteile weiter. Der zu geringe Öldruck verschleißt Lager und Nockenwellen unwiederbringlich. Ein Schaden kann ohne Vorboten eintreten. Der Ölwechsel hat Vorrang.

Welches Öl gehört nach dem Ölwechsel in einen PureTech Turbo?

Ausschließlich ein Öl nach der Norm PSA B71 2312 in der Klasse ACEA C2, in der Regel 0W-20. Das ist die Herstellervorgabe für die aufgeladenen PureTech. Jedes andere Öl, auch ein hochwertiges, passt nicht zu diesem Motor und kann den Verschleiß von Kolbenringen und Zahnriemen beschleunigen.

Deckt die Herstellergarantie die Ölverdünnung ab?

Das hängt von Alter und Laufleistung des Fahrzeugs ab. Für einzelne PureTech gab es Herstellermaßnahmen, allerdings weder durchgängig noch einheitlich. Wer das Problem dokumentiert (Fotos, Rechnungen, Wartungshistorie), steht besser da. Bei einem Streit mit dem Hersteller oder dem Werkstattnetz lässt sich eine anerkannte Schlichtungsstelle anrufen.

Romain Bouchard
Romain Bouchard

Kfz-Experte

Als Gründer von Steuerkette-Zahnriemen.de begutachtet Romain seit über 10 Jahren Motoren. Er analysiert die technischen Mitteilungen der Hersteller, um wiederkehrende Defekte aufzuspüren.